Begriffserklärungen / Selbstdefinitionen (1)

Für ein besseres Verständnis sollen hier kurz einige wichtige Begriffe/ Selbstdefinitionen aus „der“ Transgender-Debatte in Berlin erläutert werden. Selbstverständlich sind diese Erläuterungen nur Verkürzungen gelebter Realitäten, sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Natürlich gibt es Überschneidungen, Ausnahmen bestätigen auch hier die Regeln.

TRANSGENDER

1. Transgender wird als Oberbegriff für alle Personen verstanden, für die das gelebte Geschlecht keine zwingende Folge des bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts ist.

2. Als Transgender bezeichnen sich Personen, die ihre Geschlechtsidentität jenseits der binären Geschlechterordnung leben und damit die Geschlechterdichotomie Frau/Mann in Frage stellen.

TRANSVESTITEN

Als Transvestiten bezeichnen sich meist (heterosexuelle) Männer, die gelegentlich weibliche Kleidung anziehen und so einen Teil ihrer Persönlichkeit/ Weiblichkeit ausleben. Ihre Geschlechtsidentität ist oft nicht weiblich; mit der weiblichen Kleidung ziehen sie aber die Rolle „Frau“ an. Da der Begriff Transvestit sexuell aufgeladen und negativ konnotiert ist, ist er als Selbstbezeichnung nicht mehr sehr gebräuchlich und weitgehend durch den Begriff Cross Dresser ersetzt worden.

CROSS DRESSER

Als Cross Dresser bezeichnen sich Personen, die sich gelegentlich die Kleidung des „Gegengeschlechts“ anziehen und so einen Teil ihrer Persönlichkeit ausleben. Sie stellen ihr zugewiesenes Geschlecht in der Regel nicht in Frage, sondern wechseln mit der Kleidung vorübergehend die Geschlechtsrolle. Cross Dresser ist die englische Entsprechung des im Deutschen gebräuchlichen Begriffs Transvestit und wird verwendet, um sich vom pathologisierten Begriffs des „heterosexuellen Transvestiten“ abzugrenzen.

DRAG KING

Als Drag King bezeichnen sich lesbische und heterosexuelle Frauen oder Transgender*, die auf der Bühne, auf Partys oder im Alltag Männlichkeit inszenieren und manchmal parodieren und dekonstruieren (Performance). Die Geschlechtsidentität der Darsteller_Innen stimmt nicht notwendigerweise mit der dargestellten Rolle überein.

DRAG QUEEN

Als Drag Queen bezeichnen sich – meist schwule – Männer oder Transgender*, die Weiblichkeit auf der Bühne und Partys inszenieren und parodieren. Es ist eine Performance, die oft in der schwulen Szene zu finden ist. Die Geschlechtsidentität der Darsteller_Innen stimmt nicht notwendigerweise mit der dargestellten Rolle überein.

TUNTEN

Als Tunten bezeichnen sich meist (schwule) Männer, die ihre Weiblichkeit durch bestimmte weibliche Kleidung (Fummel) oder entsprechendes Verhalten nach außen darstellen. Die Tunte ist seit langem fester Bestandteil schwuler Kultur, insbesondere in jenem Teil der schwulen Szene, der sich politisch engagiert.

TRANSIDENTE

Als Transidente bezeichnen sich Personen, die sich mit dem „Gegengeschlecht“ des ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts identifizieren, ohne notwendigerweise ihren Körper mittels Hormonen und sogenannten geschlechtsangleichenden Operationen zu transformieren.

TRANSSEXUELLE

Als Transsexuelle bezeichnen sich Personen, die mittels Hormonen und „geschlechtsangleichenden Operationen“ ihren Körper transformieren, um im „Gegengeschlecht“ des ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts zu leben. Dies wird häufig durch den Satz beschrieben: „Ich bin im falschen Körper geboren.“ Da dies als leidvoll erfahren wird, werden körperliche Veränderungen vorgenommen, um den Körper an die gefühlte Geschlechts-identität anzugleichen.

TRANSFRAUEN/- MÄNNER

Als Transfrauen/- männer bezeichnen sich Transsexuelle, Transidenten, Transgender** und teilweise Cross Dresser, Tunten und Drags. Sie benutzen diesen Begriff als Oberbegriff für diese Bezeichnungen.

NICHT UNTER DEN BEGRIFF TRANSGENDER* FALLEN:

INTERSEXUELLE MENSCHEN _ HERMAPHRODITEN _ ZWITTER

Als intersexuelle Menschen, Hermaphroditen oder Zwitter bezeichnen sich Personen, die die Erfahrung teilen, aufgrund sogenannter „normabweichender Geschlechtsmerkmale“ von der Medizin und Sexualwissenschaft mittels verschiedener Syndrom-Kategorien pathologisiert zu werden und/ oder unmittelbar nach der Geburt, in der Kindheit oder später durch Genitaloperationen , Hormongabe oder rigide Erziehung in eine der beiden Geschlechtskategorien Mann oder Frau „therapiert“ zu werden. Während sich einige intersexuelle Menschen, Hermaphroditen oder Zwitter als Transgender definieren, lehnen andere diese Bezeichnung ab.

TRAVESTIE und TRAVESTIEKÜNSTLER_INNEN

(Nicht zu verwechseln mit Transvestiten!)

Travestiekünstler_Innen sind professionelle Damen- oder Herrendarsteller_Innen, die auf der Bühne einen Geschlechtsrollenwechsel als Illusion für ein meist heterosexuelles Publikum darstellen. Travestie ist ein Bühnengenre und keine Geschlechtsidentität.

(1) Diese Selbstdefinitionen wurden vom Transgender Netzwerk Berlin erarbeitet.
Die Reihenfolge der Begriffe wurde vom AK gendersmash zwecks
Übersichtlichkeit und besserem Verständnis geändert.

* – siehe „Transgender“, verwendet im Sinne von Definition 1

** – siehe „Transgender“, verwendet im Sinne von Definition 2

Anhang: Bezeichnungen, die in „der“ queeren Szene benutzt werden. – Dies ist ein Zusatz vom AK gendersmash und somit keine vom Transgender Netzwerk Berlin erarbeitete Begriffserklärung. Falls Ihr Anmerkungen, Kritik oder weitere Fragen zu den folgenden Begriffen habt, wendet euch bitte an: gendersmash@web.de

DYKE: Lesbe

BUTCH: Lesbe, die Maskulinität performt

FÉMME: Lesbe, die Feminität performt

FAG: Schwuler – Der Begriff war früher eine
Beschimpfung. Inzwischen ist es
eine, aus emanzipatorischen Grün-
den, selbstgewählte Bezeichnung.

TRANNYBOY: Transjunge

TRANNYFAG: schwuler Transjunge

GENDERQUEER: Personen, die keine Vollzeitidentität als Frau
oder Mann haben. Sie verstehen sich nicht als
Mitte des Spektrums befindlich, oder auch nicht
als androgyn. Das performte Geschlecht ist ab-
hängig vom Kontext, der Situation und der
eigenen Befindlichkeit.